Boxenstop in Hammerfest

02.09.2019

Montag – die netten Jungs von der Werkstatt rufen an: Ich kann Meta Luise noch heute Abend abholen! Wie schön, ich hatte gar nicht damit gerechnet. Ich packe alle Sachen zusammen und mache nochmal was zu essen und lege mich noch ein Weilchen hin, weil ich vorhabe, zumindest eine Teilstrecke noch heute zu fahren und dann bei einsetzender Müdigkeit schlafen zu gehen um am nächsten Tag dann endlich bei Angelika in Tromsø anzukommen. Juhu. Ich hole Meta ab und düse in die Unterkunft, hole das Gepäck und bekomme sogar von der Besitzerin der Unterkunft die letzte Nacht geschenkt, weil ich so lange dort war.

Dann sind Meta und ich wieder on the road und das Gefühl ist unbeschreiblich schön. Sie rollt und ich rolle ja mit und wir sind einfach wieder unterwegs und frei und fahren. Großartig.

Mit diesem Gefühl fahre ich trotz strömenden Regens, Nebel, Usselwetter, Rentieren auf der Straße und bin noch nicht müde, möchte noch etwas weiter fahren und dann passiert es. Zweimal lautstark Rums, wir sind über irgend etwas drüber gefahren, was ich nicht gesehen hab. Der Schreck sitzt tief, der Blick in den Rückspiegel bringt tatsächlich nur einen absurden Gedanken hervor, der da lautet „Ein Glück war es kein Mensch!“ So viel hab ich erkannt. Was ich leider auch erkenne, ist, daß Meta ein Problem hat und damit auch ich. In die nächste Lücke am Straßenrand rollen wir noch rein, ich bleibe erst nochmal hinterm Lenkrad sitzen und möchte mir einreden, egal, was es war, es betrifft auf keinen Fall mich. Es klappt leidlich. Mit voller Regenmontur und Taschenlampe bewaffnet entdecke ich das Elend in Form zweier platter Reifen. Zurück im Auto kündigt sich eine überwältigende Welle der Verzweiflung an, die aber noch mit etwas Verstand aufgehalten wird, bevor sie über mir hereinbrechen kann und zwar teste ich, ob der ADAC etwas dagegen hat, wenn man ihn mehrmals in 1 Woche behelligt – hat er übrigens nicht, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich jetzt heimlich, still und leise das Kündigungsschreiben nach Hause geschickt bekomme. Als der Anruf erledigt ist, müssen die Freundinnen herhalten und psychologischen Beistand leisten und das hilft auch. Irgendwann kommt der Abschlepper, diesmal gehts nach Hammerfest und ich bin nicht die einzige mit plattem Reifen, ein paar hundert Meter weiter steht das nächste Auto und wartet auf Hilfe, „mein“ Helfer erzählt mir, daß das andere Auto nach Honningsvåg geschleppt wird und das hätte mich dann ausreichend deprimiert, wäre ich dorthin zurückgekommen um die Werkstatt ein zweites Mal zu besuchen.

Ich trockne während der Fahrt meine nassen Klamotten, beobachte mehrere Füchse, schlafe schon ein wenig und verbringe dann die Nacht hinter dem Reifenhandel in Hammerfest, der um 8 Uhr seine Pforten öffnen soll. Das tut er auch, Meta bekommt zwei neue Reifen – Sommerreifen, weil angeblich keine anderen in einem arktischen Reifenhandel verfügbar sind, aber vielleicht werde ich auch übers Ohr gehauen und die nutzen die Chance, mir ihre Ladenhüter anzudrehen. Wie dem auch sei, nach einer halben Stunde sausen wir los und erreichen am Abend endlich Tromsø. Das war nach dem Schrecken der letzten Tage das absolute Ziel und endlich bin ich da. Angelika begrüßt mich aus dem Fenster und ab da ist klar – jetzt wird alles gut!!

Takk for sist!

Willkommen im neuen Blog, der alte hat seine Kapazitäten ob der ganzen Bildervielfalt erreicht und weiter geht es dann in den nächsten Tagen hier und zwar, wenn ich Angelika aufgesammelt habe und wir es uns auf den Lofoten gutgehen lassen.

Und wer den Anfang nochmal lesen möchte, so hat es begonnen:

https://elchgucker.wordpress.com/