Stockholm

17.09.2019

Als ich wieder auf dem Festland ankomme, regnet es auch dort und so fahre ich in Richtung Stockholm und suche mir einen Schlafplatz. Das ist gar nicht so leicht, ich bin noch gute 80 Kilometer weit von der schwedischen Hauptstadt entfernt, aber vermutlich gehört dieses Gebiet hier schon zum Stockholmer Speckgürtel, denn es ist dicht besiedelt und es gibt einfach keinen Platz für Meta Luise. Überhaupt gibt es in Schweden viel weniger Rastplätze, auch die Versorgung mit Trinkwasser klappt nicht so einfach, aber ich will man nicht mosern, hier regnet es einfach nicht so viel. Irgendwann muss ich dann doch mal die Satellitenbildfunktion von Google Maps fragen, wo ich denn wohl mit dem Metalein noch hinpassen könnte und so nächtigen wir nicht besonders schön, aber immerhin allein in einer zugewucherten Zufahrt zu einem Waldgrundstück, ich gehe mal hundert Meter den Weg um zu gucken, aber da kommt nichts und das Gras ist auch zu hoch gewachsen als daß ich vermuten würde, daß da nun ausgerechnet heute Nacht einer rein- oder rausfahren will. Und es nützt ja auch nix, es wird dunkel und ich muss kochen. Gesagt, getan und wegen Usselwetter schlüpfe ich auch schon in die Schlafklamotten und läute die Nacht ein.

Am nächsten Morgen ist es irgendwie extra kalt in Meta, hab ich das Gefühl. Schnell raus aus ihr, andere Klamotten an und einmal zu so einem Badeplatz gehen, der ganz in der Nähe ist, wo man aber nicht parken konnte. Und dort ist eine so tolle mystische Stimmung, mit Nebel über dem See und tollem Licht, daß ich fast vergesse, daß mir eigentlich kalt ist. Die klammen Finger erinnern mich aber doch daran und so gehts ohne Frühstück direkt auf Tour um mich von der Heizung wieder warm pusten zu lassen, ein Blick auf die Temperaturanzeige vom Wecker sagt, im Auto sind es 3 Grad. Wäre ich nicht schon auf dem Weg nach Hause, würde ich mich jetzt dann echt auf die Socken machen.

Heute steht Stockholm auf dem Plan. Ich war vor etwa 10 Jahren schon mal dort und habe es als schöne Stadt abgespeichert. Und um mich etwas an das Großstadtflair zu gewöhnen, wollte ich heute mal eine kleine Eingewöhnung für die auf mich wartende Hansestadt wagen. Gesagt, getan. Ich habe sogar vor, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren in irgendein Parkhaus, denn am Nachmittag bin ich mit der großen Tochter der weltbesten schwedischen Mitbewohnerin verabredet und die wohnt am Rande von Stockholm. Ich muss also eh durch die Stadt und suche ein Parkhaus, das war kein Problem. Und ich war auch darauf eingestellt, daß es bestimmt kein Schnäppchen wird, aber egal, ich bin im Urlaub. Als mir dann aber der Parkautomat, den man zum Glück zum Beginn des Parkens aufsuchen muss, sagt, daß ich für etwas mehr als 5 Stunden über 50 Euro zahlen soll, finde ich das doch n bißchen happig und gleichzeitig toll, daß die Stockholmer so ein wirksames Mittel gefunden haben, die Autos aus der Innenstadt fern zu halten. Bei mir wirkt es, ich google mal schnell eine Bahnstation etwas weiter am Stadtrand, fahre dorthin und lasse Meta dort stehen und fahre mit dem Zug ins Zentrum. Warum nicht gleich so?

Und dann erwischt mich Stockholm auf dem richtigen Fuß. Die Sonne scheint und es ist warm und windstill und einfach nur schön. Und vermutlich auch nicht so voll, ich kann es ja schlecht vergleichen, aber überlaufen ist es nicht. Durch die Parkaktion habe ich die Führung, der ich mich eigentlich anschließen wollte, verpasst und so ziehe auf eigene Faust los. Altstadt heißt das Ziel und ich bin entzückt, ich habe völlig vergessen, daß es dort so schön ist. Ich bin verzaubert, in den Bann gezogen und gerade ganz akut in Stockholm verliebt!

Ich wäre nicht abgeneigt. Darf gern Jahre dauern..

Am Nachmittag komme ich dann bei E. an und wir lassen die schwedische Tradition eines Taco-Freitages mal ausnahmsweise auf einen Dienstag fallen und wir haben ein richtig schönes Essen und einen wirklich wunderbaren Nachmittag und Abend gemeinsam, wunderschön!

Mehr so etwas in Norwegen! Und Deutschland! Und überall!

Åland

15.-16.09.2019

Satteldach sogar für Bootshäuser!

Sonntag. Ich nehme die Fähre auf die Ålandinseln und zwar fahre ich von einem kleinen schwedischen Minihafen namens Grisslehamn nach Eckerö und bezahle erstaunlicherweise fast nichts. Für Meta und mich kostet die zweistündige Überfahrt hin und zurück 30 Euro und das ist mir nicht geheuer. Ich hab mal einen Krimi gelesen, ich meine, mich dunkel zu entsinnen, es war ein Fitzek, in dem bei einer Schiffspassage Organhandel betrieben wurde… Hm, ich mach auf jeden Fall kein Nickerchen, so viel steht fest!

Ich genieße also die Überfahrt, die Ostsee ist nicht ganz ruhig, aber im Vergleich zum Nordatlantik echt n Witz und daß, wo ich doch überzeugtes Ostseekind bin! Aber da das hier mit Heimat nichts zu tun hat, scheint der Lokalpatriotismus nicht zu greifen und ich klaue auf der Fähre Strom, esse ohne Wind im Haar und ohne Knäckebrotscheiben irgendwo festklemmen zu müssen um sie am Wegwehen zu hindern und komme in einer anderen Zeitzone an, nämlich eine Stunde müsste ich die Uhr vorstellen, würde mein Handy das nicht automatisch machen. Als wir auf den åländischen Hafen zufahren bin ich überrascht, wie viel Wald die haben. Im Prinzip sieht man nix außer Wald, na da wollen wir mal sehen, wie man das mit nem schönen Schlafplatz vereinen kann.

Und so sollte es auch kommen. Auf dem gesamten Gebiet der Ålandinseln gibt es circa 15 Campingplätze, wobei ich nicht sagen kann, ob die noch offen haben, ich will sie eh nicht ansteuern, aber die Plätze, wo man sich mit dem Auto hinstellen kann, musste ich zumindest am Ankunftstag mit der Lupe suchen. So enden Meta und ich im Wald, nicht besonders schnieke, aber immerhin war das seit langem eine Nacht mit 11 Grad und ich hab direkt den Wollpulli ausgezogen und die Decke weggestrampelt. Muss hier subtropisches Klima sein! Hier wird es noch früher dunkel als ich es gewohnt bin und wenn ich nicht mit Stirnlampe kochen will, dann mache ich jetzt wohl Essen, wenn andere noch nicht mal Sandmann geschaut haben. Die Beschilderung ist auch entzückend, es gibt Straßenschilder, die auf Igel aufmerksam machen. Des Nächtens dringen bei geöffnetem Fenster auch wahrlich eigenartige Laute in mein Ohr, aber ich beschließe, daß ich schlafen will und daß sich Wald nachts sicher so anhören darf, ich weiß ja genau, daß ich nicht zum pinkeln aufstehen muss, also sollen sich mal alle nachtaktiven Gestalten vergnügen, ich kann diese Geräusche zwar keinem Tier zuordnen, aber das muß ich auch nicht. Gute Nacht.

Am nächsten Morgen ist relativ gutes Wetter. Dann mal los, ich visiere direkt Mariehamn an, die Hauptstadt, wenn man das so sagen möchte. Schon auf dem Weg dorthin biege ich mal hier ab, mal dort, wie mir die Ortsnamen und Schilder gefallen und entdecke zauberhafte Häuser in idyllischen Gegenden. Also das muß ich mir merken, hier kann man auf jeden Fall nochmal her, am Besten hat man auch das Fahrrad dabei, ganz entzückend!

Dann erreiche ich Mariehamn und bummle so rum, besuche das natürlich längst nicht mehr bewachte Strandbad und wundere mich schon wieder. Im Sand sind Vogel“fuß“spuren, aber die gehören nicht zu Wasservögeln und die Krallen sind auch zu groß. Wem gehören die denn? Und dann kommt ein äußerst seltsamer Laut aus dem Park, der an den Strand anschließt. Ich geh mal sherlockmäßig gucken. Mich trifft gleich der Schlag, da sitzt n Pfau auf dem Dach eines heruntergekommenen Strandpavillons!!!! Na wieso nicht, auf Åland geht das.

Was hier übrigens auch geht, sind Autokennzeichen, bei denen die deutschen Augen vor Fassungslosigkeit aus ihren Höhlen treten. Das Auto steht neben mir an der Fähre und ich kann es nicht lassen, die Insassen anzuglotzen. Die lesen, trinken Kaffee aus ner Thermoskanne und sehen sehr sympathisch aus. Ich beschließe, daß die ahnungslos mit so einem Schild herumfahren, anders kann es doch nicht sein!? (Personenrechtsmäßig müsste und wollte ich auch gern eine Zahl des Nummernschildes unkenntlich machen, aber da ist leider nichts zu holen..)

Dann kommen schon die ersten Regentropfen vom Himmel und werden immer größer und ekliger. Die Rettung liegt direkt vor mir: Ein Secondhandladen. Ich bin ja quasi gezwungen, mir einen Zufluchtsort vor dem Wetter zu suchen und so muss ich rein. Und da mein Gefühl sagt, daß ich schon fast zuhause bin, ist auch mein selbst auferlegtes Konsumverbot wegen des knappen Platzes in Meta Luise hinfällig – juhu, ne lila Teekanne! Wie wunderwunderschön!

Reeperbahn – bist Du´s????

Dann will ich wieder zum Auto, es regnet zwar noch, aber nicht mehr so stark. Dachte ich. Tat es auch nicht. Dann hat sich zur Abwechslung der Niederschlag in Hagel verändert und das ist auch nicht schön. Mit nasser Hülle werfe ich mich in Meta, die sofort eine Art Separee für mich zaubert und auf Knopfdruck beschlägt und ich gucke nochmal in die Wettervorhersage. Es soll so bleiben. Mit viel, viel Regen. Weißte was, Åland? Ich muß hier keinen Wetterhelden spielen, wer so ne billige Fähre anbietet, der muß sich nicht wundern, wenn Meta Luise und ich schon heute zurückfahren. Wir haben immerhin Urlaub und machen nur, was uns gefällt, jawoll. Und so geht es schon am Montag zurück, nicht ohne den Gedanken mitgenommen zu haben, daß diese Inseln durchaus einen weiteren Besuch wert sind.

Huhn kann man hier gut sein.

Entscheidungen

12.-14.09.2019

Heute muß ich mir einen Plan machen und zwar wie es weitergeht. Wo will ich lang fahren, was will ich sehen? Ganz ungewohnt nach fast zwei Wochen Gesellschaft wieder so allein machen zu können, was man will. Gestern Abend bin ich schon ein Stück die Helgelandsküste runtergefahren und sehe mir mal die Wettervorhersagen an. Und die sehen übel aus. Ich würde zu gern an der norwegischen Küsten entlang fahren und nochmal mein Glück bei den Syv Søstre versuchen, aber die Wettervorhersage meldet Regen, das ist ja nichts Neues, aber mit Niederschlagsmengen, die keinen Spaß versprechen und das eine Woche lang. Und zu allem Überfluß auch noch in alle Richtungen. Nur im Norden soll das Wetter besser sein, hätte ich etwa noch auf den Lofoten bleiben sollen? Nach Norden geht es aber nicht mehr, ich will langsam zurück. Und so ist die Entscheidung schnell gefallen, nachdem auch das Wetter an der schwedischen Küste unter die Lupe genommen wurde. Ich mach rüber nach Schweden.

Das geht auch ganz fix, denn hier oben ist Norwegen echt schmal. Meta schraubt sich ächzend in die Höhe und bekommt eine wohlverdiente Pause direkt hinter der Grenze. Dort erwarten mich nicht nur eine Farbenpracht der Blätter, sondern auch direkt eine Rasselbande Rentiere, die uns etwas schüchtern beäugen, Touristen sind die nicht gewohnt, dafür posieren sie schön, aber nur kurz, dann laufen sie davon und ich kann wieder die gewaltigen Farben der Natur betrachten, es ist fast, als wäre man in der Herbstfarbpalette von Bob Ross gelandet, ich kann mich gar nicht satt sehen.

Und dann kommt aber doch die Erinnerung auf, daß ich schon mal gehört habe, daß es so furchtbar langweilig sein soll durch Schweden zu fahren (Hei hei S., enig!!!!). Und das stimmt. Volle Pulle. Die Straße verläuft schnurgerade, es gibt keinen Grund zum Schalten und das ist das einzige, was mir am Autofahren Spaß macht, es ist, als führe man durch Dänemark. Das einzige, was ein wenig kognitive Arbeit erfordert, sind die am Wegesrand grasenden Rentiere und deren Begehr, die Straße zu überqueren. Und wenn man so viel Zeit hat zum denken, dann kommen die Entscheidungen irgendwie von allein. Ich hatte mir ursprünglich vorgenommen, erst darüber nachzudenken, wann ich wo wieder beginnen soll zu arbeiten, wenn ich unterhalb des Polarkreises bin, aber ich fuhr und fuhr und fuhr und auf einmal hagelte es Entscheidungen, die aber kein Ergebnis von angestrengtem Denken waren, sondern mir einfach in den Schoß fielen und sich sehr richtig anfühlen. Daß das so einfach wird hätte ich gar nicht gedacht. Ich beschließe also, ab November wieder zu arbeiten und zur alten Arbeit zurückzugehen und fühle mich sehr gut damit. Schon mal kurze Email an die alte neue Chefin und ein kurzes Telephonat bestätigen, so soll das sein, fühlt sich gut an und ist ja auch noch weit genug weg.

Und dann beschließe ich auch noch, daß ich jetzt nach Hause fahre. Ich hatte ursprünglich Angelikas Besuch nicht als Abschluß der Reise angesehen, sondern wollte danach wieder allein unterwegs sein, aber es war so schön, Dinge zu zweit zu erleben, daß es einfach ein phantastischer Abschluß war und ich das Gefühl habe, hier jetzt fertig zu sein. Jetzt drängt es mich nach Hause und ich freue mich schon sehr darauf. Nur kommt man in Schweden so unerwartet schnell voran, daß ich Mitte nächster Woche schon zuhause sein könnte ohne Streß, aber das geht mir dann doch etwas zu schnell. So habe ich einen Abstecher auf die Ålandinseln geplant, die mir zwar ein Begriff waren, aber über die ich quasi nichts weiß. Außer daß sie zu Finnland gehören, man aber schwedisch spricht – da hab ich ja zum Glück Chancen – und daß ich mit einer Stunde Zeitverschiebung rechnen muss. Der Rest wird sich finden und zwar am Sonntag!

Bis dahin lasse ich es mir gutgehen in einer saugemütlichen AirBnB-Unterkunft, nachdem ich mit dem dringenden Bedürfnis zu Duschen allein auf weiter Flur vor diversen verrammelten Campingplätzen stand…

Aus zwei mach eins

11.09.2019

Heute nehmen wir am frühen Morgen die Fähre von den Lofoten nach Bodø. Dort steigt Angelika abends in den Zug und ich bin wieder allein unterwegs. Schade, die Zeit ist nur so gerast, aber wir haben noch den ganzen Tag gemeinsam und wollen nach Mjellestrand, denn es sind 20 Grad und Sonne vorhergesagt.

Ich will nicht sagen, daß die Vorhersage gelogen hat, es waren angeblich 20 Grad, die Sonne hat sich auch häufig durch die Wolken gekämpft, aber wer sich auch dazu gesellt hat, war der Wind. Vielleicht auch Sturm. Wir wollten draußen frühstücken und haben irgendwo ein windstilles Plätzchen gesucht, aber vergebens. Egal, hinter welchen Klippen man sich versteckt hat, so einen Platz haben wir nicht gefunden. Es gab nur etwas weniger Wind und dort haben wir es uns dann gemütlich gemacht so gut es nur ging.

In Erwartung des Strandtages habe ich übermotiviert meinen noch immer unbenutzten Bikini eingesteckt, aber der Wind hat darauf bestanden, daß ich anstelle dessen in den Rucksack greifen soll um die Mütze rauszuholen und den Reißverschluß der Jacke soll ich auch ganz hochziehen, das gibt’s doch einfach nicht! Sonne, 20 Grad und trotzdem hab ich ne Mütze auf, wo bleibt da die Gerechtigkeit???

Wir machen einen Bummel am Strand, lehnen uns in den Wind um überhaupt voranzukommen und hauen schnell wieder ab nachdem wir diverse Sandladungen im Gesicht hatten, die wir uns als Ökopeeling schön geredet haben. Wir versuchen unser Glück in Bodø und wollen Eis essen. Dort angekommen suchen wir dem Metalein einen Parkplatz im Zentrum und erkunden die Stadt. Ich habe von meinen norwegischen Kollegen bereits erfahren, daß man in Bodø wohnen sollte, wenn man auf Wind steht, das scheint hier normal zu sein. Und ich habe auch gehört, daß die Stadt unfassbar häßlich sein soll und das bestätigt sich leider auch. Ich kann gar nicht glauben, daß das hier auch Norwegen sein soll, aber als Deutsche darf man da den Schnabel nicht so weit aufreißen, denn im Rahmen der deutschen Geschichte ist die Stadt hier plattgemacht worden und beim Wiederaufbau schien es nur um Zweckmäßigkeit zu gehen. Egal, wir sitzen in der Sonne und trinken Kaffee auf der Dachterasse eines Cafés und haben Blick auf die Einkaufsstraße. Eine Stunde dort sitzen reicht aus, um einen Großteil der Einwohner zu sehen, denn da wir uns bis abends den Tag in diesem häßlichen Städtchen um die Ohren schlagen müssen, treffen wir viele wieder und auch gleich mehrmals. Wir tingeln zwischen Cafe´s, Eis essen, dem örtlichen Einkaufszentrum und Meta Luise hin und her, ich baue Meta schon wieder in den Alleinreisemodus um und am Abend verabschieden wir uns am Bahnhof.

Ich fahre nicht mehr weit, es ist schon dunkel, regnet und müde bin ich auch, so daß ich mir nur noch einen Parkplatz suche und ohne nochmal auszusteigen nach hinten krieche. Schön, nach zwei Wochen in echten Betten schlafen hab ich mein Metabettchen schon vermisst!

Wandertag

10.09.2019

Der Tag beginnt mit Regen und wir reagieren darauf mit Schneckentempo. Erstmal in Ruhe frühstücken und noch ein bißchen lesen und entspannen bevor wir aufbrechen. Heute ist der letzte ganze Tag und wir müssen uns entscheiden, was wir ansehen wollen. Mein liebstes Lofotenerlebnis auf dem Hinweg war ja Nusfjord und die Wanderung dorthin und so entscheiden wir uns für den schönen Wanderweg an der Küste.

Der Weg ist abwechslungsreich und leicht zu gehen und das Wetter meint es gut mit uns. Der Himmel hat sich zwar bedrohlich dunkel gefärbt und es ist immer wieder Regen vorhergesagt, aber bislang laufen wir unter durch. Und glücklicherweise ist es auch relativ windstill, denn an manchen Stellen würde das an den Klippen doch etwas kontraproduktiv sein, wenn uns eine Böe ein Stückchen mitnehmen wollte. Nach etwas mehr als zwei Stunden erreichen wir ein fast leeres Nusfjord, der große Touristenansturm muß sich in der Zeit zwischen meinem ersten Besuch und jetzt abgespielt haben. Aber zu meinem Erstaunen hat sogar noch ein Restaurant geöffnet, was gleich mal anvisiert wird für ein Käffchen, aufwärmen und ein kleines Päuschen nachdem es doch nun angefangen hat zu regnen. Aber nur leicht und daher machen wir uns schon bald auf den Rückweg.

Kurz vor dem Auto, als wir das kleine Dörfchen schon sehen können, in dem Meta Luise auf uns wartet, wird es am Himmel hinter einem auslaufenden Bergkamm irgendwie eigenartig hell. Als hätte jemand einen gleißenden Strahler dort aufgestellt, unsere Neugierde ist geweckt. Und in Meta angekommen fahren wir los und dem Licht entgegen und entdecken ein gewaltiges Lichtspiel am Himmel. Die Farben sind unglaublich, fast könnte man meinen, es brennt. Zum Glück war es nur ein gewaltiges Farbenspektakel am Himmel, unglaublich!

Auf dem Rückweg. Wir müssen einfach nochmal anhalten.

Tschüß, Vesterålen & moin, Lofoten!

09.09.2019

Bevor es heute auf die Lofoten geht, nutzen wir noch das Angebot unseres Gastgebers und besuchen ihn auf seinem Hof. Wir bekommen eine ausführliche Führung und für den Erlebnisfaktor für Großstädter bekommen wir direkt Brote in die Hand gedrückt, die wir an die Schafe und Ziegen verfüttern und es wirkt, wir sind begeistert! 28 Wildschafe, 1 lustiger, energiegeladener junger Hund, dessen drolliges Wesen seine Optik glücklicherweise wieder wettmacht (und ich bin wirklich leicht für Hunde zu begeistern) und 5 Ziegen schleichen sich sofort in unsere Herzen und dann noch der Vermieter. Der versteht es nämlich, einen Ort mit so viel Liebe zum Detail so gemütlich zu machen, daß man nicht mehr weg will. So verabschieden wir uns schweren Herzens und fahren zur Fähre, die uns bei schönstem Sonnenschein auf die Lofoten bringt und weil das Wetter so gut ist, ist es Quasi ein Muss, auf dem Weg zur nächsten Unterkunft alle Sehenswerten Dinge zu betrachten.

Unser Weg führt uns nach Svolvær, an dem ich auf meiner Hinfahrt zum einen wegen Regen und zum anderen wegen Menschenüberdruss vorbeigefahren bin. Aber Svolvær, das Lofotenmekka, ist ja in aller Munde und meistens werden ja genau solche als Highlight vorausgesagten Orte nicht so dolle, das bestätigt sich auch hier. Was toll ist, ist, daß die Sonne scheint und zwar so, daß wir Eis essen! Juhu! Dann gehen wir ein wenig rum, aber man muß ein bißchen suchen, um ein paar brauchbare Bilder knipsen zu können. Für meinen Geschmack viel zu viel Glas und moderne Architektur, zu viele Hotels und zu viel Touristenhascherei. Aber gut, hinter Svolvær ist nun ´nen Haken dran und wo wir unseren Vitamin D-Haushalt auf Vordermann bringen, spielt ja dafür auch keine Rolle.

Wir fahren weiter und beschließen einem kleineren Örtchen namens Henningsvær einen Besuch abzustatten. Schon die Straße dorthin ist wunderschön und das Fischerörtchen selbst ist klein genug, um uns zu entzücken. Die Besonderheit, die es mir so angetan hat, ist ein Fußballfeld inmitten von Trockenfischgestellen auf einer kleinen Schäre. Um das darzustellen, braucht man aber eine Drohne, die natürlich auch dort um uns rumfliegt und mir wirklich extra Energie abfordert, mich von diesem blöden summenden Störenfried nicht beeinträchtigen zu lassen. Wir machen sogar eine Pause auf den Felsen inklusive Sonnenbad und genießen den Ausblick auf´s Meer. Das war schön, danke Henningsvær.

Und ein letzter Abstecher führt uns zur Atlantikseite zu einem tollen Parkplatz mit Blick auf´s Meer, an dem es abends sicher phantastisch ist, das Nordlicht zu beobachten und für heute sind gute Chancen vorhergesagt. Wir machen einen kleinen Bummel an der Küste entlang und landen vor einer Skulptur, die aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet immer anders aussieht, aber aus der Perspektive, die wir schon beim darauf zulaufen erblicken, einfach ein perfekter Kopf ist, der auf´s Meer schaut.

Dann geht es zur nächsten und letzten gemeinsamen Unterkunft, diesmal beziehen wir einen Wohnwagen, der bei den Gastgebern auf dem Grundstück steht und es ist kein Vergleich zu unserer einsamen Lage von den Vortagen. Wir haben genug Platz und alles, was wir brauchen und auch was wir nicht brauchen, nämlich ganz viel Licht. Wir sind in einer kleinen Stadt, zwar in einer kleinen Seitenstraße, aber es ist nur hell. Entweder von Straßenbeleuchtungen oder von den Außenbeleuchtungen der Häuser, die hier wirklich jeder an hat und das auch mitten in der Nacht. Und dabei ist doch Nordlichtalarm laut der App. Wir sind müde und uns ist kalt, in dieser Stimmung quälen wir uns nochmal raus und gehen zum Wasser, wo wir eigentlich erwartet haben, daß wir dort etwas Dunkelheit finden, aber es wird schwer. Auch der Weg am Wasser ist gesäumt mit Straßenlaternen, die Häuser haben überall Licht und es ist wirklich schwer, was zu sehen. Wir bilden uns fadenscheinige Gebilde am Himmel ein und denken mehrfach, daß es jetzt losgeht, aber das Licht ist nur schwach, bewegt sich nur sehr langsam und wenn man direkt unter einer Lampe steht, ist es gar nicht zu sehen. Das ist ja frustrierend, wir müssen nicht zwangsläufig unser sowieso unfassbares erstes Nordlyserlebnis wiederholen, aber jetzt ist es echt unzufriedenstellend. Irgendwann finden wir ein Bootshäuschen und verstecken uns dahinter, dort ist nämlich Schatten und wir sehen etwas besser, aber zufrieden sind wir nicht, was das Erlebnis angeht. Wir sind nur zufrieden, daß wir jetzt endlich ins Bett können, wir sind nämlich hundemüde.

Unsere Villa Kunterbunt

08.09.2019

Wir schlafen erst mal aus, den Schlaf der Nordlichtgerechten und machen es uns dann in unserer Villa Kunterbunt mit Frühstück so richtig gemütlich. Wir haben einen phantastischen Ausblick, das war uns am Abend gar nicht aufgefallen als wir versucht haben, in der Dunkelheit das Haus zu finden und es erstmal fälschlicherweise mit Taschenlampe bewaffnet auf dem Nachbargrundstück versucht haben. Wir schauen auf einen Fjord und dahinter lacht uns über den schroffen Berggipfeln die Sonne entgegen, sie scheint direkt in unser schönes Sprossenfenster am Küchentisch. Es gibt so viele schöne Details in unserem Häuschen zu entdecken, daß wir direkt einziehen wollen. Schon am Morgen wird der Ofen in der Küche angeheizt und das nicht nur so für das Gefühl, es war sogar nötig, denn das Wohnzimmer haben wir kurzerhand zum Wäschezimmer ernannt und das zweite Schlafzimmer direkt ignoriert, nach drei Tagen in unserer kleinen Muckelhütte können wir mit so viel Freiheit nicht umgehen. Von außen trägt unsere Villa Villekulla übrigens einen entzückenden mintfarbenen Anstrich, der bonbonmäßiger nicht mehr geht und sich direkt in mein Farbenherz einnistet.

Dann geht es auf zu einer Wanderung in der Nähe und wir kämpfen uns durch feuchte Wiesen und moorige Stellen durch ein Tal, was dann mitunter recht steil bergauf in Richtung Gipfel führt. Das Wetter könnte schlimmer sein, es regnet nur ganz leicht, aber der Wind ist fies. Er kommt in Böen und wenn, dann ordentlich und ab und zu verlangt er, daß wir auf allen Vieren bergauf kraxeln und auch feststellen, wie kräftig und gut geeignet Farn ist, um sich an steilen, glatten, glitschigen Stellen hochzuziehen, wenn man mal wieder den Weg aus den Augen verloren hat, der als solches bestenfalls zu erahnen ist. Oben auf dem Gipfel angekommen gibt es ein Schild mit dem Namen des Berges und einen Briefkasten mit dem Gipfelbuch, das Ganze an einer Stange montiert und die wird ab und an liebevoll umklammert, weil es einfach so stürmt und wir gern selbst bestimmen möchten, wann wir wieder runtergehen und wie schnell. Vom Gipfel aus erblicken wir unser Häuschen, was mit seinem leuchtenden Anstrich uns fast zuzuwinken scheint und mit Kaffee, Wärme und trockenen Schuhen leise Verlockungen ausspricht. So laufen wir zurück und machen uns am Abend für ein weiteres Nordlichterlebnis klar, aber vielleicht sind wir zu gut gerüstet, die Kamera liegt bereit, alle Einstellungen sind getroffen, dicke Decken zum einmummeln liegen ebenso startklar neben der Tür, wir haben fast kein Licht an und gehen regelmäßig „Kontrollgänge“ ums Haus, halten uns krampfhaft wach, aber das Nordlicht zeigt sich einfach nicht. Na dann eben nicht, wir gehen schlafen und versuchen es auf den Lofoten morgen nochmal, dort fahren wir nämlich morgen hin, denn unsere Villa Kunterbunt befindet sich noch immer auf den Vesterålen.

Dafür gibt’s kein Wort

07.09.2019

Für diesen Tag heute und alles, was geschehen ist, gibt es einfach kein Wort, was dem annähernd gerecht werden könnte. Aber der Reihe nach.

Heute aber, heute wollen wir Wale sehen. Wir packen unsere Sachen und laden alles ins Auto und bevor wir zum Wale gucken fahren, besuchen wir ein entzückendes Cafe im Ort, was selbst gemachte Seifen und allerlei Lieblichkeiten verkauft. Dann gehts in Richtung Walsafari und weil die Sonne scheint und sich das Wetter von der besten Seite zeigt, wird noch ein Strandspaziergang eingebaut mit einem Regenbogen, der gar nicht mehr aufhören will zu leuchten.

Dann sammeln wir uns mit all den anderen Waltouristen und erfahren, daß es unsicher ist, ob wir überhaupt rausfahren können, weil die Wellen auf dem Meer zu hoch sind. Das war ja so nicht geplant, wir verstehen es auch nicht so richtig, weil das Wetter zumindest an Land echt gut ist, die Sonne scheint ab und zu mal zaghaft und der Wind ist nicht so stark, aber nun gut, über dem Meer herrscht anderes Wetter und wir beschließen einfach, daß wir etwas später fahren, aber nicht, ob wir fahren. Nicht mit uns. Dann steigt die Spannung und alle stehen erwartungsvoll da und das Schicksal meint es gut mit uns, in einer Stunde legt das Boot ab. Und zwar mit uns, die wie die meisten anderen Touristen echt dick eingepackt sind und auch mit der Besatzung. Norwegische Seebären. Im T-Shirt, mit alkoholindizierten Knollnasen, aber der Anblick beruhigt mich, denn die wissen sicher, was sie tun, ein verpickelter, flaumbärtiger Kapitän hätte da doch echt Unbehagen ausgelöst. Mit zwei langen Unterhosen, diversen Wollsachen, Daunenjacke und Hardshelljacke oben drüber geht’s raus auf´s Meer und bereits auf der Waltour im Juni war Seegang, aber gestern noch mehr. Ich bin zum Glück seefest und habe sogar Spaß daran, wir stehen am Bug und eine Hand irgendwo am Boot zu haben ist eh verpflichtend, aber ab und zu müssen es beide Hände sein und die Schiffsbewegungen müssen tatsächlich mit den Beinen ausgeglichen werden, macht man ja eh automatisch, aber nun muss es einfach sein. Ein Blick nach hinten zum Kapitän macht erst deutlich, als ich das Kajütenhäuschen sehe, wie sehr wir schaukeln. Meinem Magen macht das nichts, aber mein Verstand meldet, daß dieser Neigungswinkel nicht mehr in Ordnung sein kann. Ich guck einfach wieder nach vorn, in die Wellen und beschließe, daß mich das hinter mir nichts angeht.

Bald schon meldet der, der ganz oben auf dem Boot sitzt und dessen Aufgabe es ist, mit diesem „Wallauschgerät“, mit dem er die Klicklaute hören kann, die die Pottwale zur Orientierung nutzen, unsere begehrten Beobachtungsobjekte ausfindig zu machen, Erfolg und er hat recht. Schon bald taucht ein Pottwal auf, ein schelmisches Exemplar, wie sich herausstellt. Der Wal lässt uns bei jedem Ausatmen seine Fontäne sehen, ist sonst eher schwierig zu sehen, weil sich immer wieder hohe Wellen dazwischen schieben, aber dann täuscht er seinen Tauchgang an und das Kommando „Diving!“ ertönt und alle sind in absoluter Erwartung auf das Spektakel, wenn man die Fluke zu Gesicht bekommt. Aber da haben wir die Rechnung ohne den Wal gemacht, der hat uns veräppelt. Der hat sich nur ein bißchen unter die Wasseroberfläche sinken lassen und taucht nach einigem Warten noch einmal auf. Und macht tatsächlich das gleiche Spiel nochmal. Uff, irgendwie blöd, die Fluke ist doch das Highlight! Die nette Crew sagt durch, daß wir diesen Wal verlassen, weil sie nicht genau wissen, wieso der sich so verhält, aber wir wollen ihn nicht weiter verunsichern. Das Horchgerät verspricht in kurzer Entfernung einen weiteren Wal und dort tuckern und schaukeln wir hin. Alle halten gespannt Ausschau, wann er wohl wo auftauchen wird und dann ist er da, relativ weit weg und wir kommen nicht so richtig nah, daß ich davon brauchbare Photos machen könnte, aber da das ja meine zweite Walsafari ist, bin ich eh entspannter und kann viel besser den Anblick mit den eigenen Augen genießen. Dieser Wal ist so freundlich, im Glanz der Sonne, der auf der Wasseroberfläche schimmert, abzutauchen und zwar nach Pottwalmanier. Diving – Fluke hoch – phantastisch! Wir glauben schon, okay, das war es jetzt, wir drehen jetzt bestimmt um und fahren zurück, gerade weil auch einige an Bord intensiv Kontakt mit ihrer Kotztüte aufgenommen haben, aber zum Leidwesen für die und zum Glück für uns hat der Wallauschbeauftragte noch was aufgetan und dieser Wal, so verraten uns die Guides, ist ein noch sehr kleines Exemplar und der ist wohl so eifrig und übt vermutlich noch die perfekte Show, daß ihm heute alles gelingt. Es war ein Bilderbuchabtauchen und es war einfach ein unglaublicher Anblick, vielen Dank, Du Superwal, Du wirst mal ein ganz Großer!!!

„Diving!“
Fluke kommt.
Fluke hoch.
Fluke weg.

Zufrieden schippern oder besser gesagt hopsen wir über die Wellen zurück, es wird Suppe serviert und die ist echt schwer zu trinken, mindestens ein Arm mehr wäre von Vorteil gewesen, aber das ist ja altbekannt in der Welt der Pflegenden.

Rückweg im Glücksdusel mit Sonnenkitsch.

Nun sind wir ziemlich spät dran um zu unserer neuen Unterkunft zu fahren und steigen direkt in Meta Luise und sausen los. Und dann tritt Angelikas Zauberspruch in Kraft mit den Worten „Wenn ich ein Elch wäre, ich würde hier an dieser Straße spazieren gehen.“ Aha, denke ich noch. Sie wünscht sich natürlich einen Elch zu sehen, aber ich war so skeptisch, ob das auf einer Insellandschaft passieren würde, wollte aber keine Hoffnung rauben und das muss ich auch nicht. Zack, da überquert ein Prachtexemplar die Straße. Weit genug für uns weg, daß wir sicher zum stehen kommen, er trabt über die Wiese und schaut interessiert zu uns rüber, präsentiert seinen Kopf von vorn und im Profil und steht einfach lang genug da, daß man ihn ausgiebig bestaunen kann. Angelika ist hochzufrieden und ich bin sprachlos.

Nachdem wir uns mehrfach versichert haben, daß das ja wohl nicht zu glauben sei, beschließe ich zum einen, mehr mit Angelika zu verreisen und zum anderen beschließen wir, daß heute unser Tag ist und wir jetzt zur Unterkunft fahren und dann Polarlicht sehen. Das war der Plan. Und an den haben wir uns gehalten.

Endlich kommen wir an unserer Villa Kunterbunt an, über die es bald einen Beitrag geben wird und wir werden vom bezauberndsten Gastgeber Norwegens empfangen, er hat schon mal den Kamin angeheizt, ob uns das recht wäre? Außerdem beantwortet er unsere Frage, ob er glaubt, daß wir eine Chance auf Nordlicht haben, so überzeugend, daß wir es auch glauben (wollen). Das Haus ist so entzückend und wir sind müde, wollen essen und duschen und Eindrücke verarbeiten und so legen wir auch trotz fortgeschrittener Stunde los, wir kochen und essen und stoßen mit vom Vermieter selbstgebrautem Bier auf den famosen Tag an. Dann gehts so ein bißchen ans Klamotten reinholen und ich will nochmal zum Auto, eigentlich eher um am Himmel zu gucken, ob sich was tut, denn von drinnen sieht man nur Dunkelheit. Ich gehe raus und bin nicht sicher, was für ein Lichtschein hinter dem Berg das ist, meine erste Assoziation ist der Laserstrahl einer Disco, aber der Verstand sagt nein. Das Licht verändert sich und ich hole sicherheitshalber mal Angelika aus der Dusche, die Arme steht da im Handtuch mit nassen Haaren, aber wie viele Menschen können schon von sich behaupten, daß sie das Nordlicht halbnackt gesehen haben? Und dann beginnt es am Himmel zu tanzen. Das ist eigentlich die schönste Ausdrucksweise dafür. Es bewegt sich auch viel schneller als ich es für möglich gehalten hätte. Wir schnappen uns die Terrassenstühle und schauen in den Himmel, sind überwältigt, probieren uns an Photos und lassen uns von dem Moment verzaubern. Unser erstes Nordlicht! Und was fast genau so schön ist, ist, daß ich das in Gesellschaft erlebe. Ich bin fassungslos. Wir beide. Was für ein Tag!! So ganz trauen wir uns nicht ins Bett, nachdem die grünen Tanzwesen vom Himmel verschwunden sind, ist es nicht so dunkel wie vorher und wir Nordlichtneulinge wissen nicht so recht, was jetzt zu tun ist. Sicherheitshalber wickeln wir uns nochmal in Decken und darunter auch mehr Klamotten und schauen nochmal, aber nochmal will es nicht und das ist auch gut so, wir sind noch immer mit verarbeiten beschäftigt und fallen müde, beeindruckt und glücklich ins Bett. Diesen Tag in einem Wort zu beschreiben – das erscheint mir unmöglich!

Andøya

04.-07.09.2019

Unser Hüttchen ist bezaubernd. Sie liegt auf einem Bauernhof, ist eine wahre Augenweide und so klein, daß es einfach schon dadurch gemütlich ist. Vom Tisch aus kann man aufs Meer schauen und dahinter die schroffen Felsen von Senja erkennen – so das Wetter möchte, daß man etwas sieht. Wir haben Strom und Heizung, aber kein fließend Wasser und ziehen mit unserem Wasserkanister los in das 30 Meter entfernte Stallgebäude, wo sich Dusche und Klo befinden. Camping de luxe mit eigener Hütte. Es ist saugemütlich, wir machen noch am Ankunftsabend einen Bummel zum „hauseigenen“ Strand, wo Tisch und Bänke zum Verweilen einladen.

Nur ein paar Meter weiter ist ein Schild, das einen auffordert, das Plastik, über das man beim Spaziergang stolpert, in den aufgestellten Container zu werfen. Wir sind entzückt über das Umweltbewusstsein an diesem einsamen Ort, an dem vermutlich nur die Besitzer der Unterkunft, die allernächsten Nachbarn und die Gäste, die auch ein Auge auf das entzückende Hüttchen geworfen haben, vorbeikommen. Unser abendlicher Bummel führt uns noch zur Kirche von Dverberg, die direkt am Meer liegt und durch ihren pavillonähnlichen Grundriß auffällt, leider ist sie verschlossen, aber der Anblick mit dem Meer dahinter ist schon toll. Der örtliche Supermarkt wird auch noch inspiziert und alles für ein schönes Abendessen landet in den Rucksäcken.

Am nächsten Tag scheint die Sonne, endlich, wir haben sie schon vermisst und düsen nach Andenes, weil wir zu gern (nochmal) eine Walsafari machen wollen. Das Wetter ist hervorragend, aber leider ist die Tour für heute schon ausgebucht und so kaufen wir Tickets für den nächsten Tag und nutzen das gute Wetter für einen Strandspaziergang, wo wir auch in einem kleinen Posemuckeldörfchen mit famosem Umweltbewusstsein überrascht werden, das versöhnt mich etwas mit den konsternierenden Monaten in Tromsø. Wir schnappen uns Tüten für den Plastikmüll, den wir sicher auf dem Weg begegnen werden und bahnen uns einen mehr oder weniger schlecht sichtbaren Weg an der Küste entlang bis es für uns nicht mehr weitergeht, weil die Felsen zu steil werden und es so naß und rutschig ist, daß wir den Anblick des nahen Strandes zwar sehen können, aber lieber wohlbehalten den Rückzug antreten mit hauptsächlich styroporgefüllter Tüte, die wir zu den anderen legen und über die beachtliche Menge staunen, die dort schon zusammengetragen wurde.

Auf gehts nach Hause und bei Kaffee und Kerzen sind uns die Geräusche der Regentropfen auf dem Dach dann noch lieber, die uns dann doch noch heimsuchen.

Kaffeekochen mal anders.

Am nächsten Morgen packen wir alle warmen Sachen für die Waltour zusammen und versuchen, noch mehr Motivation zusammenzukratzen, was nicht leicht ist bei Dauerregen, null Sicht und Kälte. Grummelig steigen wir ins Auto und werden mit der Tatsache konfrontiert, daß die Waltour aufgrund des stürmischen Wetters leider ausfällt. Man bietet uns die Tour für den nächsten Tag an, der auch deutlich besseres Wetter verspricht und wir sind etwas in der Zwickmühle, weil wir am folgenden Tag eine kurze Hurtigrutenstrecke auf dem Weg zur nächsten Unterkunft gebucht haben. Nach kurzem Brainstorming kam einstimmig raus, daß die Hurtigrute nicht gegen Wale anstinken kann und wir auf jeden Fall die Walsafari erleben wollen. Die vorherige Museumsführung, die mit zum Programm gehört, machen wir schon heute und haben das Glück, daß unsere Gruppe nur aus vier Leuten besteht, die Guidin (falls es das Wort gibt) ist sehr sympathisch und ich, die diese Tour ja schon zum zweiten Mal macht, höre noch so viel Neues, was ich beim ersten Mal nicht erleben durfte, weil es dort viel voller war und man gar nicht alles geschafft hat. Zufrieden freuen wir uns auf die Tour am nächsten Tag und fahren nach Hause und ignorieren den strömenden Regen bzw. machen das einzig Richtige bei solchem Wetter: Schokolade, Kaffee, Lesen und Schlafen und am Abend kochen wir ein fulminantes Abendessen und stoßen mit Wein auf unseren Urlaub an. Wie herrlich. Und die prasselnden Geräusche des Regens draußen machen alles noch viel gemütlicher.

Hurtigreis statt Hurtigrute.

Tromsø zweipunktnull

02.09.2019

Ich werde verwöhnt. Nachdem wir einkaufen waren, darf ich ewig lang duschen und währenddessen macht Angelika ein sauleckeres Abendessen, was ich dann schon im Schlumpidress und mit Handtuchturban genießen darf. Der Abend endet mit quatschen, lachen, singen – ich lasse mir ein Lied über Elche beibringen – und einfach dem erschöpftem und glücklichem Gefühl, daß jetzt alles nach Plan läuft und unvorhergesehene Unliebsamkeiten ausbleiben.

Am nächsten Morgen gibt’s ein ausführliches bummeliges Frühstück, es ist so herrlich und dann starten wir in einen langen Autofahrtag, aber ab jetzt können wir uns beim Fahren abwechseln und so komme ich endlich in den entspannten Genuß, die Landschaft im Vorbeifahren genießen zu können. Der Tag eignet sich perfekt zum Fahren, denn es regnet im Prinzip durchgehend, Metas Scheibenwischer variieren zwar zwischen langsam und praekollaptisch, aber alles in allem war es grau und usselig. Erschöpft kommen wir in unserer entzückenden Hütte in Dverberg an, was unser Ausgangspunkt für eine Walbeobachtungstour werden soll..