08.09.2019

Wir schlafen erst mal aus, den Schlaf der Nordlichtgerechten und machen es uns dann in unserer Villa Kunterbunt mit Frühstück so richtig gemütlich. Wir haben einen phantastischen Ausblick, das war uns am Abend gar nicht aufgefallen als wir versucht haben, in der Dunkelheit das Haus zu finden und es erstmal fälschlicherweise mit Taschenlampe bewaffnet auf dem Nachbargrundstück versucht haben. Wir schauen auf einen Fjord und dahinter lacht uns über den schroffen Berggipfeln die Sonne entgegen, sie scheint direkt in unser schönes Sprossenfenster am Küchentisch. Es gibt so viele schöne Details in unserem Häuschen zu entdecken, daß wir direkt einziehen wollen. Schon am Morgen wird der Ofen in der Küche angeheizt und das nicht nur so für das Gefühl, es war sogar nötig, denn das Wohnzimmer haben wir kurzerhand zum Wäschezimmer ernannt und das zweite Schlafzimmer direkt ignoriert, nach drei Tagen in unserer kleinen Muckelhütte können wir mit so viel Freiheit nicht umgehen. Von außen trägt unsere Villa Villekulla übrigens einen entzückenden mintfarbenen Anstrich, der bonbonmäßiger nicht mehr geht und sich direkt in mein Farbenherz einnistet.



Dann geht es auf zu einer Wanderung in der Nähe und wir kämpfen uns durch feuchte Wiesen und moorige Stellen durch ein Tal, was dann mitunter recht steil bergauf in Richtung Gipfel führt. Das Wetter könnte schlimmer sein, es regnet nur ganz leicht, aber der Wind ist fies. Er kommt in Böen und wenn, dann ordentlich und ab und zu verlangt er, daß wir auf allen Vieren bergauf kraxeln und auch feststellen, wie kräftig und gut geeignet Farn ist, um sich an steilen, glatten, glitschigen Stellen hochzuziehen, wenn man mal wieder den Weg aus den Augen verloren hat, der als solches bestenfalls zu erahnen ist. Oben auf dem Gipfel angekommen gibt es ein Schild mit dem Namen des Berges und einen Briefkasten mit dem Gipfelbuch, das Ganze an einer Stange montiert und die wird ab und an liebevoll umklammert, weil es einfach so stürmt und wir gern selbst bestimmen möchten, wann wir wieder runtergehen und wie schnell. Vom Gipfel aus erblicken wir unser Häuschen, was mit seinem leuchtenden Anstrich uns fast zuzuwinken scheint und mit Kaffee, Wärme und trockenen Schuhen leise Verlockungen ausspricht. So laufen wir zurück und machen uns am Abend für ein weiteres Nordlichterlebnis klar, aber vielleicht sind wir zu gut gerüstet, die Kamera liegt bereit, alle Einstellungen sind getroffen, dicke Decken zum einmummeln liegen ebenso startklar neben der Tür, wir haben fast kein Licht an und gehen regelmäßig „Kontrollgänge“ ums Haus, halten uns krampfhaft wach, aber das Nordlicht zeigt sich einfach nicht. Na dann eben nicht, wir gehen schlafen und versuchen es auf den Lofoten morgen nochmal, dort fahren wir nämlich morgen hin, denn unsere Villa Kunterbunt befindet sich noch immer auf den Vesterålen.



