15.-16.09.2019


Sonntag. Ich nehme die Fähre auf die Ålandinseln und zwar fahre ich von einem kleinen schwedischen Minihafen namens Grisslehamn nach Eckerö und bezahle erstaunlicherweise fast nichts. Für Meta und mich kostet die zweistündige Überfahrt hin und zurück 30 Euro und das ist mir nicht geheuer. Ich hab mal einen Krimi gelesen, ich meine, mich dunkel zu entsinnen, es war ein Fitzek, in dem bei einer Schiffspassage Organhandel betrieben wurde… Hm, ich mach auf jeden Fall kein Nickerchen, so viel steht fest!

Ich genieße also die Überfahrt, die Ostsee ist nicht ganz ruhig, aber im Vergleich zum Nordatlantik echt n Witz und daß, wo ich doch überzeugtes Ostseekind bin! Aber da das hier mit Heimat nichts zu tun hat, scheint der Lokalpatriotismus nicht zu greifen und ich klaue auf der Fähre Strom, esse ohne Wind im Haar und ohne Knäckebrotscheiben irgendwo festklemmen zu müssen um sie am Wegwehen zu hindern und komme in einer anderen Zeitzone an, nämlich eine Stunde müsste ich die Uhr vorstellen, würde mein Handy das nicht automatisch machen. Als wir auf den åländischen Hafen zufahren bin ich überrascht, wie viel Wald die haben. Im Prinzip sieht man nix außer Wald, na da wollen wir mal sehen, wie man das mit nem schönen Schlafplatz vereinen kann.

Hier wachsen die Pilze ja komisch. 
Man staunt.
Und so sollte es auch kommen. Auf dem gesamten Gebiet der Ålandinseln gibt es circa 15 Campingplätze, wobei ich nicht sagen kann, ob die noch offen haben, ich will sie eh nicht ansteuern, aber die Plätze, wo man sich mit dem Auto hinstellen kann, musste ich zumindest am Ankunftstag mit der Lupe suchen. So enden Meta und ich im Wald, nicht besonders schnieke, aber immerhin war das seit langem eine Nacht mit 11 Grad und ich hab direkt den Wollpulli ausgezogen und die Decke weggestrampelt. Muss hier subtropisches Klima sein! Hier wird es noch früher dunkel als ich es gewohnt bin und wenn ich nicht mit Stirnlampe kochen will, dann mache ich jetzt wohl Essen, wenn andere noch nicht mal Sandmann geschaut haben. Die Beschilderung ist auch entzückend, es gibt Straßenschilder, die auf Igel aufmerksam machen. Des Nächtens dringen bei geöffnetem Fenster auch wahrlich eigenartige Laute in mein Ohr, aber ich beschließe, daß ich schlafen will und daß sich Wald nachts sicher so anhören darf, ich weiß ja genau, daß ich nicht zum pinkeln aufstehen muss, also sollen sich mal alle nachtaktiven Gestalten vergnügen, ich kann diese Geräusche zwar keinem Tier zuordnen, aber das muß ich auch nicht. Gute Nacht.

Am nächsten Morgen ist relativ gutes Wetter. Dann mal los, ich visiere direkt Mariehamn an, die Hauptstadt, wenn man das so sagen möchte. Schon auf dem Weg dorthin biege ich mal hier ab, mal dort, wie mir die Ortsnamen und Schilder gefallen und entdecke zauberhafte Häuser in idyllischen Gegenden. Also das muß ich mir merken, hier kann man auf jeden Fall nochmal her, am Besten hat man auch das Fahrrad dabei, ganz entzückend!

Dann erreiche ich Mariehamn und bummle so rum, besuche das natürlich längst nicht mehr bewachte Strandbad und wundere mich schon wieder. Im Sand sind Vogel“fuß“spuren, aber die gehören nicht zu Wasservögeln und die Krallen sind auch zu groß. Wem gehören die denn? Und dann kommt ein äußerst seltsamer Laut aus dem Park, der an den Strand anschließt. Ich geh mal sherlockmäßig gucken. Mich trifft gleich der Schlag, da sitzt n Pfau auf dem Dach eines heruntergekommenen Strandpavillons!!!! Na wieso nicht, auf Åland geht das.


Was hier übrigens auch geht, sind Autokennzeichen, bei denen die deutschen Augen vor Fassungslosigkeit aus ihren Höhlen treten. Das Auto steht neben mir an der Fähre und ich kann es nicht lassen, die Insassen anzuglotzen. Die lesen, trinken Kaffee aus ner Thermoskanne und sehen sehr sympathisch aus. Ich beschließe, daß die ahnungslos mit so einem Schild herumfahren, anders kann es doch nicht sein!? (Personenrechtsmäßig müsste und wollte ich auch gern eine Zahl des Nummernschildes unkenntlich machen, aber da ist leider nichts zu holen..)

Dann kommen schon die ersten Regentropfen vom Himmel und werden immer größer und ekliger. Die Rettung liegt direkt vor mir: Ein Secondhandladen. Ich bin ja quasi gezwungen, mir einen Zufluchtsort vor dem Wetter zu suchen und so muss ich rein. Und da mein Gefühl sagt, daß ich schon fast zuhause bin, ist auch mein selbst auferlegtes Konsumverbot wegen des knappen Platzes in Meta Luise hinfällig – juhu, ne lila Teekanne! Wie wunderwunderschön!

Dann will ich wieder zum Auto, es regnet zwar noch, aber nicht mehr so stark. Dachte ich. Tat es auch nicht. Dann hat sich zur Abwechslung der Niederschlag in Hagel verändert und das ist auch nicht schön. Mit nasser Hülle werfe ich mich in Meta, die sofort eine Art Separee für mich zaubert und auf Knopfdruck beschlägt und ich gucke nochmal in die Wettervorhersage. Es soll so bleiben. Mit viel, viel Regen. Weißte was, Åland? Ich muß hier keinen Wetterhelden spielen, wer so ne billige Fähre anbietet, der muß sich nicht wundern, wenn Meta Luise und ich schon heute zurückfahren. Wir haben immerhin Urlaub und machen nur, was uns gefällt, jawoll. Und so geht es schon am Montag zurück, nicht ohne den Gedanken mitgenommen zu haben, daß diese Inseln durchaus einen weiteren Besuch wert sind.







