Entscheidungen

12.-14.09.2019

Heute muß ich mir einen Plan machen und zwar wie es weitergeht. Wo will ich lang fahren, was will ich sehen? Ganz ungewohnt nach fast zwei Wochen Gesellschaft wieder so allein machen zu können, was man will. Gestern Abend bin ich schon ein Stück die Helgelandsküste runtergefahren und sehe mir mal die Wettervorhersagen an. Und die sehen übel aus. Ich würde zu gern an der norwegischen Küsten entlang fahren und nochmal mein Glück bei den Syv Søstre versuchen, aber die Wettervorhersage meldet Regen, das ist ja nichts Neues, aber mit Niederschlagsmengen, die keinen Spaß versprechen und das eine Woche lang. Und zu allem Überfluß auch noch in alle Richtungen. Nur im Norden soll das Wetter besser sein, hätte ich etwa noch auf den Lofoten bleiben sollen? Nach Norden geht es aber nicht mehr, ich will langsam zurück. Und so ist die Entscheidung schnell gefallen, nachdem auch das Wetter an der schwedischen Küste unter die Lupe genommen wurde. Ich mach rüber nach Schweden.

Das geht auch ganz fix, denn hier oben ist Norwegen echt schmal. Meta schraubt sich ächzend in die Höhe und bekommt eine wohlverdiente Pause direkt hinter der Grenze. Dort erwarten mich nicht nur eine Farbenpracht der Blätter, sondern auch direkt eine Rasselbande Rentiere, die uns etwas schüchtern beäugen, Touristen sind die nicht gewohnt, dafür posieren sie schön, aber nur kurz, dann laufen sie davon und ich kann wieder die gewaltigen Farben der Natur betrachten, es ist fast, als wäre man in der Herbstfarbpalette von Bob Ross gelandet, ich kann mich gar nicht satt sehen.

Und dann kommt aber doch die Erinnerung auf, daß ich schon mal gehört habe, daß es so furchtbar langweilig sein soll durch Schweden zu fahren (Hei hei S., enig!!!!). Und das stimmt. Volle Pulle. Die Straße verläuft schnurgerade, es gibt keinen Grund zum Schalten und das ist das einzige, was mir am Autofahren Spaß macht, es ist, als führe man durch Dänemark. Das einzige, was ein wenig kognitive Arbeit erfordert, sind die am Wegesrand grasenden Rentiere und deren Begehr, die Straße zu überqueren. Und wenn man so viel Zeit hat zum denken, dann kommen die Entscheidungen irgendwie von allein. Ich hatte mir ursprünglich vorgenommen, erst darüber nachzudenken, wann ich wo wieder beginnen soll zu arbeiten, wenn ich unterhalb des Polarkreises bin, aber ich fuhr und fuhr und fuhr und auf einmal hagelte es Entscheidungen, die aber kein Ergebnis von angestrengtem Denken waren, sondern mir einfach in den Schoß fielen und sich sehr richtig anfühlen. Daß das so einfach wird hätte ich gar nicht gedacht. Ich beschließe also, ab November wieder zu arbeiten und zur alten Arbeit zurückzugehen und fühle mich sehr gut damit. Schon mal kurze Email an die alte neue Chefin und ein kurzes Telephonat bestätigen, so soll das sein, fühlt sich gut an und ist ja auch noch weit genug weg.

Und dann beschließe ich auch noch, daß ich jetzt nach Hause fahre. Ich hatte ursprünglich Angelikas Besuch nicht als Abschluß der Reise angesehen, sondern wollte danach wieder allein unterwegs sein, aber es war so schön, Dinge zu zweit zu erleben, daß es einfach ein phantastischer Abschluß war und ich das Gefühl habe, hier jetzt fertig zu sein. Jetzt drängt es mich nach Hause und ich freue mich schon sehr darauf. Nur kommt man in Schweden so unerwartet schnell voran, daß ich Mitte nächster Woche schon zuhause sein könnte ohne Streß, aber das geht mir dann doch etwas zu schnell. So habe ich einen Abstecher auf die Ålandinseln geplant, die mir zwar ein Begriff waren, aber über die ich quasi nichts weiß. Außer daß sie zu Finnland gehören, man aber schwedisch spricht – da hab ich ja zum Glück Chancen – und daß ich mit einer Stunde Zeitverschiebung rechnen muss. Der Rest wird sich finden und zwar am Sonntag!

Bis dahin lasse ich es mir gutgehen in einer saugemütlichen AirBnB-Unterkunft, nachdem ich mit dem dringenden Bedürfnis zu Duschen allein auf weiter Flur vor diversen verrammelten Campingplätzen stand…

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