Andøya

04.-07.09.2019

Unser Hüttchen ist bezaubernd. Sie liegt auf einem Bauernhof, ist eine wahre Augenweide und so klein, daß es einfach schon dadurch gemütlich ist. Vom Tisch aus kann man aufs Meer schauen und dahinter die schroffen Felsen von Senja erkennen – so das Wetter möchte, daß man etwas sieht. Wir haben Strom und Heizung, aber kein fließend Wasser und ziehen mit unserem Wasserkanister los in das 30 Meter entfernte Stallgebäude, wo sich Dusche und Klo befinden. Camping de luxe mit eigener Hütte. Es ist saugemütlich, wir machen noch am Ankunftsabend einen Bummel zum „hauseigenen“ Strand, wo Tisch und Bänke zum Verweilen einladen.

Nur ein paar Meter weiter ist ein Schild, das einen auffordert, das Plastik, über das man beim Spaziergang stolpert, in den aufgestellten Container zu werfen. Wir sind entzückt über das Umweltbewusstsein an diesem einsamen Ort, an dem vermutlich nur die Besitzer der Unterkunft, die allernächsten Nachbarn und die Gäste, die auch ein Auge auf das entzückende Hüttchen geworfen haben, vorbeikommen. Unser abendlicher Bummel führt uns noch zur Kirche von Dverberg, die direkt am Meer liegt und durch ihren pavillonähnlichen Grundriß auffällt, leider ist sie verschlossen, aber der Anblick mit dem Meer dahinter ist schon toll. Der örtliche Supermarkt wird auch noch inspiziert und alles für ein schönes Abendessen landet in den Rucksäcken.

Am nächsten Tag scheint die Sonne, endlich, wir haben sie schon vermisst und düsen nach Andenes, weil wir zu gern (nochmal) eine Walsafari machen wollen. Das Wetter ist hervorragend, aber leider ist die Tour für heute schon ausgebucht und so kaufen wir Tickets für den nächsten Tag und nutzen das gute Wetter für einen Strandspaziergang, wo wir auch in einem kleinen Posemuckeldörfchen mit famosem Umweltbewusstsein überrascht werden, das versöhnt mich etwas mit den konsternierenden Monaten in Tromsø. Wir schnappen uns Tüten für den Plastikmüll, den wir sicher auf dem Weg begegnen werden und bahnen uns einen mehr oder weniger schlecht sichtbaren Weg an der Küste entlang bis es für uns nicht mehr weitergeht, weil die Felsen zu steil werden und es so naß und rutschig ist, daß wir den Anblick des nahen Strandes zwar sehen können, aber lieber wohlbehalten den Rückzug antreten mit hauptsächlich styroporgefüllter Tüte, die wir zu den anderen legen und über die beachtliche Menge staunen, die dort schon zusammengetragen wurde.

Auf gehts nach Hause und bei Kaffee und Kerzen sind uns die Geräusche der Regentropfen auf dem Dach dann noch lieber, die uns dann doch noch heimsuchen.

Kaffeekochen mal anders.

Am nächsten Morgen packen wir alle warmen Sachen für die Waltour zusammen und versuchen, noch mehr Motivation zusammenzukratzen, was nicht leicht ist bei Dauerregen, null Sicht und Kälte. Grummelig steigen wir ins Auto und werden mit der Tatsache konfrontiert, daß die Waltour aufgrund des stürmischen Wetters leider ausfällt. Man bietet uns die Tour für den nächsten Tag an, der auch deutlich besseres Wetter verspricht und wir sind etwas in der Zwickmühle, weil wir am folgenden Tag eine kurze Hurtigrutenstrecke auf dem Weg zur nächsten Unterkunft gebucht haben. Nach kurzem Brainstorming kam einstimmig raus, daß die Hurtigrute nicht gegen Wale anstinken kann und wir auf jeden Fall die Walsafari erleben wollen. Die vorherige Museumsführung, die mit zum Programm gehört, machen wir schon heute und haben das Glück, daß unsere Gruppe nur aus vier Leuten besteht, die Guidin (falls es das Wort gibt) ist sehr sympathisch und ich, die diese Tour ja schon zum zweiten Mal macht, höre noch so viel Neues, was ich beim ersten Mal nicht erleben durfte, weil es dort viel voller war und man gar nicht alles geschafft hat. Zufrieden freuen wir uns auf die Tour am nächsten Tag und fahren nach Hause und ignorieren den strömenden Regen bzw. machen das einzig Richtige bei solchem Wetter: Schokolade, Kaffee, Lesen und Schlafen und am Abend kochen wir ein fulminantes Abendessen und stoßen mit Wein auf unseren Urlaub an. Wie herrlich. Und die prasselnden Geräusche des Regens draußen machen alles noch viel gemütlicher.

Hurtigreis statt Hurtigrute.

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