20.09.2019

Die Nacht hinter dem Küstenwäldchen war ruhig und der neue Tag ruft. Es ist zwar bewölkt, aber relativ windstill und so wird Kaffee am Strand getrunken. Es ist früh, gerade mal hell und ich höre nur Wellenrauschen und starre meditativ aufs Meer. Versuche, mir ganz bewusst zu machen, daß ich ab nächster Woche ein ganzes Stück dafür fahren muß und das Gefühl, direkt nach dem Aufstehen den Kocher anzuwerfen und mit Schlafzeug unter der Daunenjacke am Strand zu sitzen, bleibt einzigartig. Ich sauge alles nochmal in mich auf und freue mich einfach nur, daß – aus welchen Gründen auch immer – mir das alles zuteil wurde. Ab nächster Woche wird es laut. Ich wohne in einer Kopfsteinpflasterstraße. Mit einem Kiosk gegenüber und treuen Anhängern alkoholischer Getränke davor. Und die dichteste S-Bahn-Station trägt den Namen „Reeperbahn“. Au weia.

So eine Art Kontrastprogramm bietet mein heutiger Schlafplatz: Ich stehe einige Kilometer weiter am Meer und bin wohl am Lieblingsort der Wasservögel gelandet. Ein Meer aus Kanadagänsen, Kormoranen, Stockenten, Reihern und diversen anderen schwimmt, watet, steht rum oder fliegt über die Ostsee. Die Gänse üben in Gruppen diverse Formationsflüge am Himmel, die jedes Schlepperballett am Hamburger Hafengeburtstag alt aussehen lassen und dabei machen alle Arten eins: ziemlich viel Ton. Es ist ohrenbetäubend, was dieser Haufen von sich gibt. Ich probe also schlafen bei offenem Fenster mit, nun ja, ich wage mich mal so auszudrücken: Lärmbelästigung. Wenn das keine Vorbereitung auf zuhause ist, dann weiß ich auch nicht…
